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Kuscheln bei Smooth Jazz - ein Open Air Konzert mit Regen

Kuscheln bei Smooth Jazz - ein Open Air Konzert mit Regen

Es sollte ein warmer Sommerabend werden, mit Lichtern der untergehenden Sonne auf den imposanten Gebäuden des Gendarmenmarkts. Aber der Himmel war grau und trübe und der Platz eingehüllt in eine frühe Dämmerung. Nur die Bühne war erleuchtet. Hier sollten der Trompeter und seine Band spielen.

Die Stuhlreihen füllten sich nur zögerlich. Es war nicht ausverkauft. Das war sehr angenehm, denn wir hatten einen guten Blick auf die Bühne. Das sollte sich später ändern. Aber ich greife vor.

Das Konzert begann pünktlich. Noch erschien der Held des Abends nicht. Die Band spielte und schnulzte langsam vor sich hin.

Da fielen die ersten Tropfen. Hatte der Wetterbericht nicht gesagt, es würde erst später am Abend regnen? Wie dem auch sei. Es tröpfelte und die ersten Regenschirme wurden aufgespannt. Schon war unser Blick auf die Bühne getrübt.

Als der Trompeter die Bühne betrat und das Publikum launig begrüßte, hatte das Tröpfeln aufgehört. Die Schirme klappten zu und wir hatten wieder einen freien Blick.

Jetzt folgte Stück für Stück, schmelzend und gefällig. Der Trompeter schwang sein Instrument und das Publikum klatschte heftig.

Der Himmel war inzwischen noch grauer geworden und jetzt tröpfelte es so intensiv, dass auch wir unseren Regenschirm aktivieren mussten. Mein Mann hielt ihn hoch, legte seinen Arm um meine Schulter und zog mich an sich. So passten wir beide unter den Schirm. Wir sahen jetzt nichts mehr von der Bühne, dafür auf den tropfenden Schirmrand. Das machte uns nichts aus.

Jetzt wurden alle im Publikum vorhandenen Schirme aufgespannt, Regencapes aus den Taschen gezogen und sogar Taschentücher wurden zum Regenschutz. Der Trompeter und seine Band spielten unermüdlich. Aber der Beifall fiel etwas kläglich aus. Wie konnte es auch anders sein. Ein großer Teil des Publikums hatte nur eine Hand frei. Der Schirm musste doch gehalten werden.

Während der Pause hörte es wieder auf zu regen. Die Leute schwärmten in die Restaurationszelte oder holten sich an den Ständen etwas zu trinken.

Nach der Pause begann es wieder zu regnen, jetzt aber richtig. Es wurde ungemütlich und auch kühl. Mein Mann nahm den Schirm und schlang seinen Arm so fest um mich, dass ich seine Körperwärme spürte. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und war zufrieden.

Im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob die Band so langweilig gespielt hat, weil die Atmosphäre – grauer Himmel, Regen, Schirme und Capes, magerer Beifall- so wenig anregend war. Es ist mir egal. Ich fand den Abend gelungen, denn Kuscheln bei Smooth Jazz hatte auch etwas für sich.

1 Kommentar 26.7.17 17:04, kommentieren

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Ein Sonntagmorgen auf dem Balkon

Ein Sonntagmorgen auf dem Balkon

Der letzte Schluck Kaffee wird auf dem Balkon getrunken. Die Sonne, wenn sie denn da ist, verspricht einen schönen Tag. Sie wärmt die Gesichter und die noch ungeduschten Beine. Glocken läuten - es ist Sonntag.

Ich blicke auf die Straße. Sie ist ruhig. Gemächlichkeit liegt in der Luft. Sogar über den parkenden Autos scheint ein gedämpfter Schleier zu liegen.

Nach einiger Zeit wird es lebendiger und lauter. Kinderstimmen quäken von den Balkons. Auf einigen wird bei schönem Wetter draußen gefrühstückt. Aber erst müssen Brötchen geholt werden. Das tun meist die Männer. Sie laufen gemächlich, manchmal einen Sohn oder einen Enkelsohn an der Hand, zum Bäckerladen an der Ecke. Sie kommen mit Tüten in der Hand zurück. Werktags werden sie keine Zeit haben und da gibt es wahrscheinlich auch keine Brötchen zum Frühstück.

Taxen fahren vor und spucken müde übernächtigte Menschen aus. Oder sie nehmen reisefreudige Gäste auf, die den schönen Tag irgendwo anders genießen wollen. Ein grüner lauter Porsche brummt über die Pflastersteine - gleich zwei Mal stört er die Sonntagsruhe. Es fahren auch andere Autos durch, aber ihr leises Geräusch ist normal und die Sonntagsgenießer sind es gewöhnt.

Später öffnen sich die Türen der Häuser. Familien mit Fahrrädern bevölkern die Straßen und die Bürgersteige. Manchmal sind es nur die Mütter, manchmal nur die Väter, die mit den Kindern erscheinen. In unserer Straße leben viele Kinder, die mal bei der Mutter oder bei dem Vater nächtigen, nach dem Motto „Schläfst du heute bei deinem Vater oder bei mir?“

Die Straße lebt anders als in der Woche. Es ist eine Mischung von Kinderstimmen, beantwortet von Erwachsenen. Autos fahren, Fahrräder klingeln und die Spatzen zwitschern. Es kann auch plötzlich still und ruhig sein.

Es gibt keine Müllwagen, keine Transporter, es gibt keine lauten Telefonate von Galeristen, die rauchend die Straße auf und ab wandern und lautstark telefonieren.

Es ist eine entspannte Ruhe, auch wenn es zugeht wie auf einer Bühne. Alles passiert und es passiert im Grunde gar nichts.

 

23.7.17 16:50, kommentieren