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Die Sache mit den Schlüsseln

Die Sache mit den Schlüsseln

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und Urlaubszeit ist Reisezeit. Da leeren sich die Häuser, die Autos werden beladen oder die Trollies rollen lautstark über das Straßenpflaster, um zu den Zügen oder den Flugzeugen zu gelangen. Wir wollen alles hinter uns lassen, die Arbeit, die Sorgen in der Familie und die Verpflichtungen, die sich so oft über den Alltag stülpen.

Das wünschen sich auch die Bewohner unseres Hauses. Aber wir haben alle ein Problem. In jeder Wohnung befinden sich Blumen, die während der Abwesenheit der Bewohner gegossen werden müssen und ihre Briefkästen sollen von dicken Briefen, Zeitungen und den lästigen Werbepaketen befreit werden. Wir könnten jetzt sagen:„Lasst das Kraut welken und lagert die Briefe bei der Post. Wichtig ist unser ungetrübter Urlaub.“ Aber das tut man doch nicht.

Also - wer macht wann was?

Das zu organisieren verlangt eine logistische Meisterleistung, denn es stellt sich heraus, dass drei von vier Mitbewohnern unseres Hauses, wenn auch zeitlich versetzt, Urlaub machen. Alle haben Blumen, die gegossen werden müssen und Post bekommen sie auch.

Zuerst muss geklärt werden, wer wann Urlaub macht. Das Ehepaar im ersten Stock macht die längsten Ferien. Hier findet sich die einfachste Lösung. Ich gieße die Blumen zwei Wochen, dann bekommt die Tochter die Wohnungsschlüssel. Sie wohnt im Haus gegenüber und ist aus ihrem Urlaub zurück. Das ist eine Erleichterung für mich, denn jetzt muss ich nur noch die Blumen der Familie im dritten Stock gießen.

Die Familie ist an der Ostsee und kommt voraussichtich in einer Woche wieder. Diese Gießverpflichtung wird durch vier Tage unterbrochen. Ein Bekannter der Familie bekommt die Schlüssel und nässt die Vegetation auf dem oberen Balkon. Dann landet dieser Wohnungsschlüssel wieder bei uns.

Jetzt wird es kompliziert, denn jetzt wollen mein Mann und ich unseren Urlaub antreten. Und wir möchten natürlich auch, dass unsere Geranien gegossen werden und der Spiegel aus dem Briefkasten genommen wird. Dazu hat sich die Familie im dritten Stock bereit erklärt. Da heißt, sie muss unsere Schlüssel bekommen und auch ihre, die noch in unserem Besitz sind. Aber was ist, wenn sie erst nach Hause kommt und wir schon weg sind. Wir können unseren Schlüssel nicht übergeben.

Also legen wir unsere Schlüssel auf das Regal in ihrer Wohnung. Mit ihrem Schlüssel schließen wir die Wohnungstür ab und legen ihn auf das silberne Tischchen in unserer Wohnung.

Die Familie findet dann unseren Schlüssel in ihrer Wohnung - wir gehen davon aus, dass sie einen Zweitschlüssel für ihre Wohnung hat - und schließt bei uns auf, um an ihren Schlüssel zu kommen. Und sie hat unseren Schlüssel und kann die Geranien gießen. Natürlich vergisst sie unsere Post nicht.

So müssten alle Schlüssel an dem Ort sein, wo sie gebraucht werden? Oder?

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar 10.8.17 10:57, kommentieren

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Der Pakistani

Der Pakistani

Er steht mit seinem Taxi vor der Charité und wartet auf Fahrgäste. Er ist klein und sehnig. Seine Haut ist dunkel, noch dunkler sind seine kurzen krausen Haare. Sein Bart wirkt finster, dicht und lang, aber nicht so lang wie der Bart der Salafisten.

Ist er Pakistani oder ist er Inder? Wir sind uns nicht sicher, wo wir ihn ansiedeln sollen. Aber das ist zweitrangig. Wir brauchen ein Taxi, das uns nach Hause fährt.

Eilfertig schiebt er das Gepäck in den Kofferraum, öffnet mir die Wagentür und setzt sich ans Steuer. Er wartet, bis wir uns angegurtet haben.

„Wohin fahren?“

Aha, der Mann kämpft mit der Sprache.

Mein Mann nennt ihm unser Ziel und der Taxifahrer kennt die Straße nicht. Wir erklären ihm, wie er am besten fährt. Er nickt.

„Immer meine Fahrgäste mir sagen, wohin ich fahre. Muss noch viel lernen.“ Er fährt los und etwas irritiert verfolgen wir seinen leicht wackeligen Fahrstil und seine besondere Art, sich einzuordnen und zu überholen.

Nach etwa fünf Minuten stehen wir wieder auf der Kreuzung vor der Charité.

„Sind wir hier nicht losgefahren?“, diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen.

„Muss noch viel lernen. Gerade erst Prüfung. Aber ich immer nette Fahrgäste.“ Dann fährt er mal nach links, dann nach rechts, manchmal auch geradeaus. Weiß er überhaupt, wo er ist? Als er sich an einer Kreuzung links einordnet, um sie zu überqueren, greift mein Mann ein.

„Hier dürfen Sie nicht abbiegen.“

Unser Fahrer nickt und überquert ungerührt die Kreuzung, trotz des wilden Gehupes anderer Autos. Immerhin ist er jetzt auf der richtigen Straße.

„Sie biegen jetzt am besten nach links in die Liesenstraße ein, dann fahren Sie auf dem Kreisverkehr gleich rechts. Dann sind Sie auf der Gartenstraße, die Sie immer geradeaus bis zum Nordbahnhof fahren.“

Mein Mann übernimmt die Führung und geleitet unseren Fahrer sicher zu unserem Zuhause.

„Immer meine netten Fahrgäste mir sagen, wie ich fahren. Danke“, er nimmt das Trinkgeld, sieht uns freundlich aus seinen grauen Augen an und verabschiedet sich mit einer kleinen Verbeugung.

„Vielen Dank, vielen Dank, ich wieder viel lernen.“

Was macht unser kleiner Taxifahrer, wenn er nicht auf so freundliche Fahrgäste stößt?

 

 

4.8.17 16:15, kommentieren