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Der Autoschlüssel im Meer

Der Autoschlüssel im Meer

Unsere Enkelin kam über das Wasser - vom Strand, an dem wir gebadet hatten. Wir wollten uns am Hafen von Poris treffen. Sie lenkte das Stand Up Paddle gekonnt in unsere Richtung. Ihr türkisener Bikini leuchtete und wir sahen, wie fleißig sie das Paddel rechts und links ins Wasser tauchte. Ihr Vater saß vorn und hinter ihm lag das Strandgepäck.

Diese unkonventionelle Art, von einem Ort zum anderen zu kommen, war eine Notlösung.

Wir, die Großeltern, unser Sohn und unsere Enkelin waren mit unserem Mietwagen an den Strand gekommen und genossen Wasser, Sonne und den schwarzen Strand. Ich schwamm mit meiner Enkelin in den vorderen Bereichen der Bucht. Der Großvater saß auf einem schwarzen Stein und hielt die Nase in die Sonne. Unser Sohn entfernte sich mit dem Stand Up Paddle in die Weiten des Wassers. Zum großen Vergnügen seiner Tochter kenterte er mehrfach. Aber dieses Kentern sollte der Ausgang für das Abenteuer sein, das wir an diesem Urlaubstag erlebten.

Als unser Sohn aus dem Wasser kam, stellte er fest, dass der Autoschlüssel weg war. Verzweifelt suchten wir nach diesem kostbaren Gegenstand, schüttelten die Taschen und Beutel aus, gruben im Sand und untersuchten die Spalten zwischen den schwarzen Steinen – nichts.

„Ich hatte den Schlüssel in meiner Badehose. Er muss wohl beim Kentern rausgerutscht sein. Ich wollte ihn eigentlich in die weiße Tasche tun, aber plötzlich wollte jemand etwas von mir…“, klar, es musste jemand anderes schuld sein.

Aber wir diskutierten nicht lange und es herrschte bald Einigkeit, dass unser Sohn die Schlüssel im Meer versenkt hatte.

Man stelle sich die skurrile Situation vor. Der Autoschlüssel im Wasser, das Handy, der Hausschlüssel im abgeriegelten Auto-schlimmer konnte es nicht sein. Zum Glück hatte der Großvater den Zweitschlüssel für das Ferienhaus in der Tasche.

Jetzt wurden die etwas verwirrten Gedanken sortiert und wir kamen zu einer Lösung: Wir, die Großeltern, gehen zu Fuß zum Hafen von Poris, unser Sohn und unsere Enkelin überqueren die Bucht mit dem Paddle und dem Gepäck, das wir sonst hätten tragen müssen. Ich war nicht begeistert von der Idee, aber ich wurde überstimmt.

Wir Großeltern hatten Glück im Unglück. Ein nettes Ehepaar aus der Schweiz fuhr uns vom Strand zum Hafen von Poris und dort standen wir und beobachteten unsere Enkelin, die wie eine Amazone ihren Vater über die weite Bucht von Poris steuerte. Wie unser Sohn das Autoproblem mit der Autofirma löste, das ist eine ganz andere Geschichte. Und unsere Enkelin? Sie ersparte ihrem Vater giftige Bemerkungen nicht.

„Es ist besser, wenn jemand anderes den Autoschlüssel einsteckt.“

„Achtung, wo hast du den Autoschlüssel?“

Unsere Enkeltochter hat mal wieder gezeigt, was sie kann. Neben dem Stand Up paddeln und dem Schwimmen taucht und klettert sie und sie vollführt Kunststücke auf dem Einrad. Sie näht, sie spielt Klavier und sie schreibt Geschichten. Nur Singen und Tanzen kann sie nicht. Aber man muss nicht alles können. Wenn ihr mehr über meine Enkelin wissen wollt, dann ruft ihren Blog auf. Da könnt ihr sie wirklich kennenlernen.

13.11.17 16:58, kommentieren

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Heute schon getropft?

Heute schon getropft?

Ich betrete um 10 Uhr die weiträumige Praxis. Mein treuer Begleiter, mein Mann, setzt sich und ich stelle mich an. Vor dem Tresen, an dem man sich anmelden soll, stehen etwa fünf Leute, die wie ich neue Augen, das heißt, neue Linsen bekommen sollen. Sie leiden alle an grauem Star, so vermute ich jedenfalls.

„Heute schon getropft?“, fragt die Dame jeden Patienten, der sich dem Tresen nähert. Noch zu Hause sollte man in regelmäßigen Abständen linsenerweiternde Tropfen in die Augen träufeln.

Meine Augen sollen in einem Abstand von zwei Wochen operiert werden. Heute ist mein linkes Auge dran. Aber ehe ich zu dem Eingriff zugelassen werde, muss ich bezahlen. Das ist eigentlich nicht üblich. Normalerweise bekomme ich Rechnungen zugeschickt und begleiche sie dann.

„Frau Doktor operiert niemanden, der nicht bezahlt hat“, höre ich und zücke meine EC Karte. Aber das Gerät meldet immer wieder „Zahlung kann nicht erfolgen.“ Mein Banklimit ist nicht so hoch, dass ich die geforderte Summe überweisen kann. Ich kann nicht bezahlen.

„Ich laufe auf die Bank und erhöhe mein Banklimit. Dann kann ich bezahlen.“ Mein Mann verlässt schnellen Schrittes die Praxis. Nach etwa einer Viertelstunde kommt er unverrichteter Dinge zurück.

„Ich habe meinen Personalausweis nicht dabei.“

Jetzt sind wir ratlos. Die Dame hinter dem Tresen wartet.

Da ich meinen Personalausweis immer dabei habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit erweiterten Pupillen auf die Bank zu eilen und mein Banklimit zu erhöhen.

Dann klappt es endlich und ich werde in das pompöse Wartezimmer geschickt. Hier sitze ich etwa zwei Stunden und warte. In regelmäßigen Abständen kommen Patienten aus dem im Hintergrund gelegenen Operationsbereich, noch etwas wacklig durch die Narkose, mit einem Verband über dem operierten Auge. Sie bekommen eine Tablette, Wasser und nach Wunsch einen Kaffee. Ein smarter bärtiger Mann sorgt für das Wohl der Betroffenen.

Dann endlich, um 12 Uhr, werde ich in einen kleinen Raum gebeten. Ich werde in grünes dünnes Plastik gekleidet, vom Kopf bis zu den Füßen. Ich warte wieder eine Weile, bis eine ältere Frau in den Raum geführt wird, noch sehr benommen. Ich werde einen Stuhl weiter gesetzt und warte wieder. Dann endlich werde ich in die heiligen Räume gebeten. Eine bequeme Liege wartet auf mich.

Die junge Frau, die meinen Blutdruck misst und mir einen Port setzt, ist kaum fertig, als ich schon wieder aufwache und es ist alles vorbei. Ein Auge ist verbunden und ich bekomme eine Tablette und einen Cappuccino.

Nachdem auch das rechte Auge mit einer neuen Linse ausgestattet ist, sehe ich klarer. Die Farben sind deutlicher, die Konturen der Gegenstände schärfer. Die Welt ist etwas schöner, wenn auch sicher nicht besser.

1 Kommentar 7.11.17 17:30, kommentieren