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Toiletten

Toiletten

Wie wichtig die Präsenz dieser Örtlichkeiten ist, wird erst deutlich, wenn man das gewohnte heimische Ambiente verlässt und verzweifelt nach Erleichterung sucht.

Es traf mich kürzlich, als ich eine Reise von Soest nach Berlin antrat. Ich fuhr von Soest nach Hamm, um dort den ICE nach Berlin zu erreichen. Diese Umsteigeprozeduren waren zeitlich durchaus gedehnt und ich begann auf die Toilette im ICE zu hoffen. Aber dieser hatte Verspätung. Das ist im Prinzip nichts Ungewöhnliches und ich trage es normalerweise in Geduld, aber diesmal war es nicht so einfach.

Endlich fuhr der Zug ein, und als wollte die Deutsche Bahn mich ärgern, befand sich mein Waggon der 1.Klasse mit der Nummer 37 an ganz anderer Stelle als angesagt.

Ich rollte also meinen Koffer in wilder Hast über den Bahnsteig. Die Schaffnerin winkte heftig mit der Kelle und ich zog meinen Koffer über die Stufen in den Waggon.

Jetzt galt es, den Platz Nummer 91 im Großraum zu finden. Es klappte und ich verstaute den Koffer und setzte mich aufatmend auf meinen Platz. Aber es ließ mir keine Ruhe. Ich brauchte eine Toilette.

Ich eilte durch den Mittelgang meines Waggons und stand schließlich vor zwei Toiletten. Aber ich hatte Pech. Beide Türen zeigten das kleine rote Dreieck, das Zeichen für besetzt. Dessen nicht genug, hing an beiden Türen ein Zettel „defekt“.

Ich eilte also durch den folgenden Waggon und traf wieder auf die gleiche Information. Allerdings gab es da noch ein Behindertenklo, das auch besetzt war, aber ohne den Hinweis „defekt“. Ich wartete also. Nach fünf Minuten fragte ich mich, ob der Benutzer dieses Klos hineingefallen war. Ich hörte Wasser rauschen, Deckel klappen und Ächzen. Ich wollte rücksichtsvoll sein und nicht drängeln. Behinderte brauchen eben ihre Zeit. Aber ich stand unter Druck und brauchte ein Klo.

Da lief mir eine Schaffnerin über den Weg.

„Gibt es in diesen beiden Waggons der 1.Klasse kein funktionierendes Klo?“ Sie blieb stehen: „Da sagen Sie was. Die Klos sind in einem Zustand, dass wir sie abschließen mussten. Aber ich sehe mal nach, ob in der 2.Klasse ein benutzbares Klo ist. Wenn ich eins finde, dann winke ich Ihnen.“

Sie lief durch den Speisewagen, am Bistro vorbei und wurde offenbar fündig.

Sie winkte heftig und ich lief so schnell ich konnte zu meiner Retterin, dankte ihr und verschwand in einer Toilette der 2.Klasse.

Ich war ein neuer Mensch, als ich den kleinen Raum verließ. Jeder weiß, wie köstlich diese Erleichterung ist, wenn man so lange gewartet hat.

Eigentlich buche ich die 1.Klasse, damit ich bequem allen meinen Wünschen nachgehen kann. Ich möchte einen bequemen Platz, eine Tageszeitung, Service am Platz und saubere benutzbare Toiletten. Das mag sehr egoistisch klingen, aber so bin ich eben. Und ich frage mich, wie es sein kann, dass erwachsene Menschen Toiletten so verschmutzen, dass sie nicht mehr benutzbar sind.

28.8.17 15:58, kommentieren

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Die Sache mit den Schlüsseln

Die Sache mit den Schlüsseln

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und Urlaubszeit ist Reisezeit. Da leeren sich die Häuser, die Autos werden beladen oder die Trollies rollen lautstark über das Straßenpflaster, um zu den Zügen oder den Flugzeugen zu gelangen. Wir wollen alles hinter uns lassen, die Arbeit, die Sorgen in der Familie und die Verpflichtungen, die sich so oft über den Alltag stülpen.

Das wünschen sich auch die Bewohner unseres Hauses. Aber wir haben alle ein Problem. In jeder Wohnung befinden sich Blumen, die während der Abwesenheit der Bewohner gegossen werden müssen und ihre Briefkästen sollen von dicken Briefen, Zeitungen und den lästigen Werbepaketen befreit werden. Wir könnten jetzt sagen:„Lasst das Kraut welken und lagert die Briefe bei der Post. Wichtig ist unser ungetrübter Urlaub.“ Aber das tut man doch nicht.

Also - wer macht wann was?

Das zu organisieren verlangt eine logistische Meisterleistung, denn es stellt sich heraus, dass drei von vier Mitbewohnern unseres Hauses, wenn auch zeitlich versetzt, Urlaub machen. Alle haben Blumen, die gegossen werden müssen und Post bekommen sie auch.

Zuerst muss geklärt werden, wer wann Urlaub macht. Das Ehepaar im ersten Stock macht die längsten Ferien. Hier findet sich die einfachste Lösung. Ich gieße die Blumen zwei Wochen, dann bekommt die Tochter die Wohnungsschlüssel. Sie wohnt im Haus gegenüber und ist aus ihrem Urlaub zurück. Das ist eine Erleichterung für mich, denn jetzt muss ich nur noch die Blumen der Familie im dritten Stock gießen.

Die Familie ist an der Ostsee und kommt voraussichtich in einer Woche wieder. Diese Gießverpflichtung wird durch vier Tage unterbrochen. Ein Bekannter der Familie bekommt die Schlüssel und nässt die Vegetation auf dem oberen Balkon. Dann landet dieser Wohnungsschlüssel wieder bei uns.

Jetzt wird es kompliziert, denn jetzt wollen mein Mann und ich unseren Urlaub antreten. Und wir möchten natürlich auch, dass unsere Geranien gegossen werden und der Spiegel aus dem Briefkasten genommen wird. Dazu hat sich die Familie im dritten Stock bereit erklärt. Da heißt, sie muss unsere Schlüssel bekommen und auch ihre, die noch in unserem Besitz sind. Aber was ist, wenn sie erst nach Hause kommt und wir schon weg sind. Wir können unseren Schlüssel nicht übergeben.

Also legen wir unsere Schlüssel auf das Regal in ihrer Wohnung. Mit ihrem Schlüssel schließen wir die Wohnungstür ab und legen ihn auf das silberne Tischchen in unserer Wohnung.

Die Familie findet dann unseren Schlüssel in ihrer Wohnung - wir gehen davon aus, dass sie einen Zweitschlüssel für ihre Wohnung hat - und schließt bei uns auf, um an ihren Schlüssel zu kommen. Und sie hat unseren Schlüssel und kann die Geranien gießen. Natürlich vergisst sie unsere Post nicht.

So müssten alle Schlüssel an dem Ort sein, wo sie gebraucht werden? Oder?

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar 10.8.17 10:57, kommentieren