Letztes Feedback

Meta





 

Der Pakistani

Der Pakistani

Er steht mit seinem Taxi vor der Charité und wartet auf Fahrgäste. Er ist klein und sehnig. Seine Haut ist dunkel, noch dunkler sind seine kurzen krausen Haare. Sein Bart wirkt finster, dicht und lang, aber nicht so lang wie der Bart der Salafisten.

Ist er Pakistani oder ist er Inder? Wir sind uns nicht sicher, wo wir ihn ansiedeln sollen. Aber das ist zweitrangig. Wir brauchen ein Taxi, das uns nach Hause fährt.

Eilfertig schiebt er das Gepäck in den Kofferraum, öffnet mir die Wagentür und setzt sich ans Steuer. Er wartet, bis wir uns angegurtet haben.

„Wohin fahren?“

Aha, der Mann kämpft mit der Sprache.

Mein Mann nennt ihm unser Ziel und der Taxifahrer kennt die Straße nicht. Wir erklären ihm, wie er am besten fährt. Er nickt.

„Immer meine Fahrgäste mir sagen, wohin ich fahre. Muss noch viel lernen.“ Er fährt los und etwas irritiert verfolgen wir seinen leicht wackeligen Fahrstil und seine besondere Art, sich einzuordnen und zu überholen.

Nach etwa fünf Minuten stehen wir wieder auf der Kreuzung vor der Charité.

„Sind wir hier nicht losgefahren?“, diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen.

„Muss noch viel lernen. Gerade erst Prüfung. Aber ich immer nette Fahrgäste.“ Dann fährt er mal nach links, dann nach rechts, manchmal auch geradeaus. Weiß er überhaupt, wo er ist? Als er sich an einer Kreuzung links einordnet, um sie zu überqueren, greift mein Mann ein.

„Hier dürfen Sie nicht abbiegen.“

Unser Fahrer nickt und überquert ungerührt die Kreuzung, trotz des wilden Gehupes anderer Autos. Immerhin ist er jetzt auf der richtigen Straße.

„Sie biegen jetzt am besten nach links in die Liesenstraße ein, dann fahren Sie auf dem Kreisverkehr gleich rechts. Dann sind Sie auf der Gartenstraße, die Sie immer geradeaus bis zum Nordbahnhof fahren.“

Mein Mann übernimmt die Führung und geleitet unseren Fahrer sicher zu unserem Zuhause.

„Immer meine netten Fahrgäste mir sagen, wie ich fahren. Danke“, er nimmt das Trinkgeld, sieht uns freundlich aus seinen grauen Augen an und verabschiedet sich mit einer kleinen Verbeugung.

„Vielen Dank, vielen Dank, ich wieder viel lernen.“

Was macht unser kleiner Taxifahrer, wenn er nicht auf so freundliche Fahrgäste stößt?

 

 

4.8.17 16:15, kommentieren

Werbung


Kuscheln bei Smooth Jazz - ein Open Air Konzert mit Regen

Kuscheln bei Smooth Jazz - ein Open Air Konzert mit Regen

Es sollte ein warmer Sommerabend werden, mit Lichtern der untergehenden Sonne auf den imposanten Gebäuden des Gendarmenmarkts. Aber der Himmel war grau und trübe und der Platz eingehüllt in eine frühe Dämmerung. Nur die Bühne war erleuchtet. Hier sollten der Trompeter und seine Band spielen.

Die Stuhlreihen füllten sich nur zögerlich. Es war nicht ausverkauft. Das war sehr angenehm, denn wir hatten einen guten Blick auf die Bühne. Das sollte sich später ändern. Aber ich greife vor.

Das Konzert begann pünktlich. Noch erschien der Held des Abends nicht. Die Band spielte und schnulzte langsam vor sich hin.

Da fielen die ersten Tropfen. Hatte der Wetterbericht nicht gesagt, es würde erst später am Abend regnen? Wie dem auch sei. Es tröpfelte und die ersten Regenschirme wurden aufgespannt. Schon war unser Blick auf die Bühne getrübt.

Als der Trompeter die Bühne betrat und das Publikum launig begrüßte, hatte das Tröpfeln aufgehört. Die Schirme klappten zu und wir hatten wieder einen freien Blick.

Jetzt folgte Stück für Stück, schmelzend und gefällig. Der Trompeter schwang sein Instrument und das Publikum klatschte heftig.

Der Himmel war inzwischen noch grauer geworden und jetzt tröpfelte es so intensiv, dass auch wir unseren Regenschirm aktivieren mussten. Mein Mann hielt ihn hoch, legte seinen Arm um meine Schulter und zog mich an sich. So passten wir beide unter den Schirm. Wir sahen jetzt nichts mehr von der Bühne, dafür auf den tropfenden Schirmrand. Das machte uns nichts aus.

Jetzt wurden alle im Publikum vorhandenen Schirme aufgespannt, Regencapes aus den Taschen gezogen und sogar Taschentücher wurden zum Regenschutz. Der Trompeter und seine Band spielten unermüdlich. Aber der Beifall fiel etwas kläglich aus. Wie konnte es auch anders sein. Ein großer Teil des Publikums hatte nur eine Hand frei. Der Schirm musste doch gehalten werden.

Während der Pause hörte es wieder auf zu regen. Die Leute schwärmten in die Restaurationszelte oder holten sich an den Ständen etwas zu trinken.

Nach der Pause begann es wieder zu regnen, jetzt aber richtig. Es wurde ungemütlich und auch kühl. Mein Mann nahm den Schirm und schlang seinen Arm so fest um mich, dass ich seine Körperwärme spürte. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und war zufrieden.

Im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob die Band so langweilig gespielt hat, weil die Atmosphäre – grauer Himmel, Regen, Schirme und Capes, magerer Beifall- so wenig anregend war. Es ist mir egal. Ich fand den Abend gelungen, denn Kuscheln bei Smooth Jazz hatte auch etwas für sich.

1 Kommentar 26.7.17 17:04, kommentieren