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Der kleine Knopf

Der kleine Knopf

Er liegt schon seit Monaten auf dem Nachttisch. Klein, silbergrau, mit zwei Löchern, die wie Augen aussehen, wartet er auf seinen Einsatz. Erst liegt er auf dem Fuß der Nachttischlampe, dann wird er beim Putzen vorsichtig nach rechts oder links geschoben. Dann rutscht er auch mal weit an den Rand des Nachttischs. Irgendwann landet er auf dem Spiegelschränkchen. Kein Mensch kümmert sich um ihn. Aber er überlebt und es wird Rücksicht auf ihn genommen. Nur nicht irgendwo hinschieben, wo man ihn nicht findet. Er soll schon seiner Bestimmung zugeführt werden. Aber wann?

Eigentlich ist sein Platz auf der Knopfleiste eines rotkarierten Schlafanzugs. Er hat die Aufgabe, den runden blanken Bauch des Hausherrn vor der Öffentlichkeit zu schützen. Im Moment klafft dort ein Schlitz, der immer wieder auffällt. Jedes Mal wird moniert, dass der Knopf immer noch nicht seiner Bestimmung zugeführt wurde und dass das endlich passieren sollte. Aber die Zuständigkeit für das Knöpfe-annähen in dieser Beziehung ist noch nicht geklärt. Deshalb bleibt der Knopf auf dem Schränkchen liegen und wird immer wieder hin und her geschoben.

Eines Tages wird sein Aufenthaltsort grundsätzlich verändert. Er wird in das Arbeitszimmer des Hausherren getragen und in ein buntes türkisches Schälchen gelegt. Sorgfältig, wie ein Schmuckstück, wird er dort untergebracht. Zugleich wird beschlossen, den kleinen hübschen Knopf zeitnah seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen und in die Knopfleiste des rotkarierten Schlafanzugs zu integrieren. Inwieweit dieser Vorsatz greift, wird sich herausstellen. Es kann auch sein, dass der Knopf noch in Jahren sein Dasein in dem türkischen Schälchen fristet.

 

1 Kommentar 29.11.17 10:29, kommentieren

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Der Autoschlüssel im Meer

Der Autoschlüssel im Meer

Unsere Enkelin kam über das Wasser - vom Strand, an dem wir gebadet hatten. Wir wollten uns am Hafen von Poris treffen. Sie lenkte das Stand Up Paddle gekonnt in unsere Richtung. Ihr türkisener Bikini leuchtete und wir sahen, wie fleißig sie das Paddel rechts und links ins Wasser tauchte. Ihr Vater saß vorn und hinter ihm lag das Strandgepäck.

Diese unkonventionelle Art, von einem Ort zum anderen zu kommen, war eine Notlösung.

Wir, die Großeltern, unser Sohn und unsere Enkelin waren mit unserem Mietwagen an den Strand gekommen und genossen Wasser, Sonne und den schwarzen Strand. Ich schwamm mit meiner Enkelin in den vorderen Bereichen der Bucht. Der Großvater saß auf einem schwarzen Stein und hielt die Nase in die Sonne. Unser Sohn entfernte sich mit dem Stand Up Paddle in die Weiten des Wassers. Zum großen Vergnügen seiner Tochter kenterte er mehrfach. Aber dieses Kentern sollte der Ausgang für das Abenteuer sein, das wir an diesem Urlaubstag erlebten.

Als unser Sohn aus dem Wasser kam, stellte er fest, dass der Autoschlüssel weg war. Verzweifelt suchten wir nach diesem kostbaren Gegenstand, schüttelten die Taschen und Beutel aus, gruben im Sand und untersuchten die Spalten zwischen den schwarzen Steinen – nichts.

„Ich hatte den Schlüssel in meiner Badehose. Er muss wohl beim Kentern rausgerutscht sein. Ich wollte ihn eigentlich in die weiße Tasche tun, aber plötzlich wollte jemand etwas von mir…“, klar, es musste jemand anderes schuld sein.

Aber wir diskutierten nicht lange und es herrschte bald Einigkeit, dass unser Sohn die Schlüssel im Meer versenkt hatte.

Man stelle sich die skurrile Situation vor. Der Autoschlüssel im Wasser, das Handy, der Hausschlüssel im abgeriegelten Auto-schlimmer konnte es nicht sein. Zum Glück hatte der Großvater den Zweitschlüssel für das Ferienhaus in der Tasche.

Jetzt wurden die etwas verwirrten Gedanken sortiert und wir kamen zu einer Lösung: Wir, die Großeltern, gehen zu Fuß zum Hafen von Poris, unser Sohn und unsere Enkelin überqueren die Bucht mit dem Paddle und dem Gepäck, das wir sonst hätten tragen müssen. Ich war nicht begeistert von der Idee, aber ich wurde überstimmt.

Wir Großeltern hatten Glück im Unglück. Ein nettes Ehepaar aus der Schweiz fuhr uns vom Strand zum Hafen von Poris und dort standen wir und beobachteten unsere Enkelin, die wie eine Amazone ihren Vater über die weite Bucht von Poris steuerte. Wie unser Sohn das Autoproblem mit der Autofirma löste, das ist eine ganz andere Geschichte. Und unsere Enkelin? Sie ersparte ihrem Vater giftige Bemerkungen nicht.

„Es ist besser, wenn jemand anderes den Autoschlüssel einsteckt.“

„Achtung, wo hast du den Autoschlüssel?“

Unsere Enkeltochter hat mal wieder gezeigt, was sie kann. Neben dem Stand Up paddeln und dem Schwimmen taucht und klettert sie und sie vollführt Kunststücke auf dem Einrad. Sie näht, sie spielt Klavier und sie schreibt Geschichten. Nur Singen und Tanzen kann sie nicht. Aber man muss nicht alles können. Wenn ihr mehr über meine Enkelin wissen wollt, dann ruft ihren Blog auf. Da könnt ihr sie wirklich kennenlernen.

13.11.17 16:58, kommentieren