Roswitha erwartet Sie am Shuffleboard

Roswitha erwartet Sie am Shuffleboard

 Das Schiff gleitet über das ruhige Wasser.

Wir liegen am Heck auf Liegestühlen. Die Sonne scheint und zeigt uns die hohen grünen und auch schneebedeckten Berge. Hie und da rauschen Wasserfälle über die hohen Felsen ins Meer. Einsame kleine Hütten und Siedlungen verstecken sich an den schmalen Ufern.

Wir entspannen und genießen. Wir wissen jetzt, dass es sich gelohnt hat, diese Kreuzfahrt an Norwegens Küsten zu buchen. Wann haben wir die Gelegenheit, so viel von Norwegen zu sehen? Wann werden wir wieder in Bergen sein, wann eine Rundfahrt durch Trondheim, wann eine Fahrt mit der Flambahn machen und in wilde Schneeschauer geraten. Wir werden wahrscheinlich nie wieder den schönsten Fjord Norwegens, den Geirangerfjord, genießen dürfen und werden auch nie wieder am eiskalten Nordcap frieren.

Es ist kein Wunder, dass diese Fahrten mit dem Schiff so beliebt bei älteren Menschen sind. Sie haben keine Lust mehr, ihren Urlaub selbst zu gestalten. Aber sie wollen dennoch etwas von der Welt sehen. Was gibt es da besseres, als die Kreuzfahrtschiffe, diese schwimmenden Seniorenresidenzen, die jede Art von Komfort bieten.

Wir checken ein und die Koffer stehen schon vor unserer Kabine. Im Vergleich zu der plüschig-goldenen Pracht, mit der das Schiff ausgestattet ist, ist sie schmal und eher unbequem. Eines der Betten ist eigentlich ein Sofa. Es ist zur Liege umfunktioniert worden. Eine ausladende Lehne hindert den Schläfer, sich nach links zu drehen. Die Kabinen der „silbernen“ und der „goldenen“ Decks sind sicher bequemer.

Wir haben ein Fenster. Es ist nicht zu klein. So können wir das Meer sehen. Ist es ruhig oder bilden sich da und dort weiße Schaumkrönchen? Letzteres würde erklären, warum das Schiff sich so leicht wiegend fortbewegt.

Jetzt ist es an der Zeit, sich mit den Angeboten unseres Schiffes zu beschäftigen. Der Fernseher und ein Tagesprogramm informieren uns und wir stellen fest, dass der Gast dieses Schiffs den ganzen Tag beschäftigt ist. Wenn er nicht durch die Ausflüge abgelenkt wird, dann kann er den ganzen Tag essen. Es gibt Frühstücksbuffets in zwei Restaurationen, heiße Bouillon, auf Wunsch mit Schuss, zum Mittagessen gibt es  drei Restaurants im Angebot. 15.30 Uhr ist Tee- oder Kaffestunde. Zum Abendessen kann er wiederum wählen. Außerdem gibt es im Restaurant Vier Jahreszeiten ein Spezialitätenmenu. Für einen Schluck zwischendurch gibt es die Bar „Onkel Fritz“. Es darf hier geraucht werden.

An einem der Vormittage wird ein Bayrischer Frühschoppen mit  Lederhosn und im Dirndl angeboten. Es gibt Bier und Weißwürste.

Anlässlich der Überquerung des Nördlichen Polarkreises gibt es die Polartaufe mit viel Sekt und Würstchen im Schlafrock. Und dessen nicht genug wird nach dem Besuch am Nordcap am späten Abend die Nordcap-Party mit Buffet und Sekt angeboten.

Um diese Kalorienanhäufung abzubauen, wird Sport empfohlen. Es gibt die tägliche Ertüchtigung am Shuffleboard, wo Roswitha auf die gut genährten Gäste wartet und für den sportlichen Ausgleich sorgt. Sie bietet ein Ganzkörpertraining (Fit & Fun) an.

Elvira bewegt zusätzlich, ebenfalls am Shuffleboard, Schulter und Nacken. Tischtennis kann der Gast auch spielen und für die Schwimmer stehen zwei kleine Pools zur Verfügung.

Auch der altersgemäße Kunstgenuss abends kommt nicht zu kurz. Ein Pianist spielt Grieg, es gibt einen Abba-Abend und Udo Jürgens wird mit bekannten Songs in Erinnerung gerufen. Die Showband des Schiffs spielt und sogar die Crew unterhält die begeisterten Gäste. Ein Aperitifspiel, ein Tanzabend, die große Küchen Rock-Nacht – es lassen sich nicht alle Angebote aufzählen.

Ohne die vielen dienstbaren Geister wäre dieses Angebot nicht möglich. Wir bewundern die freundlichen Phillipiner, die von morgens bis abends um unser Wohl besorgt sind. Die Frauen machen oft die niederen Dienste, zum Beispiel das Putzen der Zimmer. Die höheren Dienste, wie den Service in den Restaurants, den besorgen die Männer.

Wenn wir das Restaurant betreten, stehen sie aufgereiht, in ihren weißen Jacken, am Eingang des Restaurants und begrüßen uns. Die Stühle werden nach hinten gezogen, damit wir uns bequem setzen können. Die Serviette wird uns auf den Schoß gelegt. Wir werden auf das höflichste, auf das freundschaftlichste bedient.

„Hat es Ihnen geschmeckt, meine liebe Gäste?“, singt der Oberkellner. Sie singen alle, wenn sie deutsch mit uns sprechen. Das tun sie auch beim letzten Frühstück, dann aber noch gefühlvoller. Es wundert nicht, denn sie erwarten ein üppiges Trinkgeld.

Nach vierzehn Tagen Norwegen mit allen Schönheiten und klimatischen Varianten, mit den Bequemlichkeiten eines „Traumschiffs“ steigen wir wieder in den Zug, um nach Hause zu fahren.

Wir überlegen, ob wir im nächsten Jahr nicht wieder eine Kreuzfahrt machen sollten. Vielleicht diesmal die Ostsee?

Mal sehen, jetzt brauchen wir Zeit, um diese gerade genossene Kreuzfahrt zu verarbeiten.

 

 

11.7.18 11:21, kommentieren

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Die Leiden eines sportlichen Taxifahrers

 Die Leiden eines sportlichen Taxifahrers

Es fiel uns auf, dass er eisern auf seinem Fahrersitz sitzen blieb. Er stieg nicht aus, er öffnete die Türen nicht. Auch meiner behinderten Schwester half er nicht in sein Taxi.

Es begann mit der Bitte meiner Schwester, nicht so schnell über das Kopfsteinpflaster zu fahren. Das täte ihrem Rücken nicht gut.

Er änderte seinen Fahrstil kaum, aber er ging intensiv auf die Klagen meiner Schwester ein.

„Ich kann das gut verstehen. Ich habe auch so meine Probleme.“

Er bog zackig nach rechts ab.

„Ich habe einen Sportunfall gehabt. Ein Ball ist gegen mein Schambein geprallt. Ich habe sicher – wie Reuss – eine Schambeinentzündung. Aber die Ärzte nehmen das nicht so ernst.“

Schüchtern bat meine Schwester ihn, etwas vorsichtiger zu fahren.

Aber er schwadronierte weiter. Ich saß hinter ihm. Sein kahlgeschorener kleiner Kopf bewegte sich heftig. Offenbar hatte sein Nacken keine besonderen Probleme.

„Ich bin in Behandlung im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg. Die meinten, ich hätte einen Fadenriss in der Leiste.“

„Sollten Sie nicht eine zweiten Meinung einholen?“, jetzt wollte meine Nichte, die neben mir saß, ihr Mitgefühl ausdrücken.

„Das will ich ja. Da gibt es einen Leistenspezialisten in Köln, aber ich glaube nicht, dass die Kasse das zahlt.“

Er unterbrach seine Krankheitsgeschichte und hielt an. Wir waren am Ziel. Er kassierte und wir stiegen aus, wieder ohne Hilfe unseres Taxifahrers.

„Erzählt er diese Geschichte allen seinen Fahrgästen?“

„Mein Rücken war der Auslöser. Jetzt hatte er die Möglichkeit, über seine Problem zu sprechen.“

Nachdem wir gut zu Abend gegessen hatten, riefen wir erneut ein Taxi. Und am Steuer saß wieder unser leidgeprüfter Fahrer.

Wir richteten uns in dem Wagen ein, natürlich ohne seine Unterstützung. Aber wir hatten jetzt Verständnis. Dieses Mitgefühl wurde jedoch ziemlich strapaziert. Er erzählte uns, dass er, aufgrund seiner verschiedenen Leiden, Probleme mit seiner rechten Beckenschaufel hätte. Sie rutsche immer weg und er müsse sie regelmäßig einrenken.

Es grauste uns und wir waren froh, als wir dieses Taxi mit seinem geplagten Fahrer verlassen durften.

Ein Ball gegen die Hoden und alles bricht zusammen. Entzündungen, Fadenrisse, lockere Beckenschaufeln, es kommt alles zu Schaden.

Sport ist eben doch fast Mord.

6.7.18 16:41, kommentieren