Sun City in Deutschland

Sun City in Deutschland

Seit Wochen beschäftigen wir uns mit dem Virus, der diese Welt in Aufruhr und Ängste versetzt. Die Medien übertreffen sich mit Meldungen über Infizierte und Tote. Es gibt keine Talkshow ohne Virologen und Politiker. Wir sind, auch ohne Symptome, Opfer dieser Pandemie.

Im Moment wird um die Entscheidung gerungen, ob und wann man die strengen Auflagen für die Bürger lockern soll. Wann und wie können die Schulen wieder geöffnet werden, wann die Arbeitnehmer wieder an ihren Arbeitsplatz? Wie lässt es sich bewerkstelligen, dass die Wirtschaft wieder anspringt?

Die Diskussion kreist unter anderem um die Risikogruppen. Vor allem die Alten stehen im Vordergrund. Wenn die nicht wären, dann könne man den anderen Teil der Bevölkerung weitgehend freilassen.

Diese Überlegungen fallen auf fruchtbaren Boden. Man muss die Alten schützen, das wird nicht hinterfragt. Aber dieses „Schützen“ bekommt einen Beigeschmack. Es wird zunehmend zum „Isolieren“. Was heißt das? Die ersten konkreten Vorschläge werden nur schüchtern ausgesprochen. Wie wäre es, wenn die über Siebzigjährigen dazu angehalten würden, weiterhin in ihren Wohnungen zu bleiben und auf Besuche von Verwandten zu verzichten.

Dieser Vorschlag kommt vor allem von jüngeren männlichen Politikern, deren Interesse wahrscheinlich nicht so bei den alten Menschen ist. Zum Glück wurde dieses Ansinnen energisch zurückgewiesen - von kompetenten Politikerinnen.

Die Vorstellung, dass die über Siebzigjährigen in ihren Wohnungen bleiben sollen und auf Besuche von Verwandten verzichten sollen, ist unerträglich. Wie lange soll dieser Zustand anhalten?. Es soll hier nicht um Freiwilligkeit gehen, sondern um Verordnung. Mit dieser Entscheidung würde die Großelterngeneration ausgegliedert. Die Großeltern mit dem Kinderwagen verschwänden aus dem Straßenbild, Besuche auf Spielplätzen blieben den Eltern überlassen, die eigentlich entlastet werden sollten. Großmutters Sirupplätzchen und der heißgeliebte Milchreis mit Zucker und Zimt würden nicht mehr angeboten. Die Rolle der Großeltern als Klagemauer für pubertierende Jugendliche gäbe es nicht mehr. Die sozialen Kontakte innerhalb einer Familie würden zum Teil durch digitale ersetzt.

Warum nicht gleich eine Altensiedlung gründen. Die Vorstellung, alte Menschen zu sammeln und auf einem wenig bevölkerten Bereich anzusiedeln mit Häusern und Läden, könnte doch sinnvoll sein für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Busse brauchen nicht zu fahren. Die alten Menschen sollen an Ort und Stelle bleiben. Betreuer und Pfleger müssen getestet werden. Besucher werden bei Anmeldung einem Schnelltest unterzogen. Es gibt in jedem der Bezirke eine Krankenabteilung.

Dieses Modell gliche dem von Sun City in Arizona. Hier wohnen nur alte Menschen und Besucher müssen sich anmelden, ehe sie ihre alten Verwandten besuchen dürfen. Sie wohnen in eigenen Häusern und genießen altersgemäße Freizeitangebote. Der Unterschied besteht nur in einem wichtigen Aspekt. Die alten Menschen in Sun City legen keinen besonderen Wert auf den Besuch von Kindern und Enkelkindern. Sie wollen ihre Ruhe.

Wir hätten sehr gern mehr Besuche. Aber wenn es nach den Vorstellungen einiger  Politiker und Virologen oder anderer Experten ginge, säßen wir auf unserem Balkon, würden uns bei Sonnenschein die Nase wärmen, und das heitere Treiben der Familien mit Fahrrädern und Kinderwagen auf der Straße beobachten. Wir hören die Klaviermusik im Nachbarhaus und wir winken dem Mann auf dem Balkon gegenüber zu, der seine sündige Zigarette raucht.

21.4.20 09:17

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