Corona

Coronazeit - Zeit des Verzichts und der Ohnmacht

Deine Enkelin sagte dir neulich am Telefon, durch Corona fühle sie sich eingeengt. Sie meinte den Verlust von freier Bewegung,mit Freunden trinken, tanzen und lachen. Sie kann zwar mit Freunden abends ein Bier trinken, bei sich zu Hause oder in einer Kneipe. Aber sie ist jung und sie will frei entscheiden können, was sie tun will. Das kann sie jetzt nicht. Auch wenn sie mit Freunden zusammen sitzt, stehen immer Regeln im Raum, nach denen sie sich richten muss.

Du kannst deine Enkelin verstehen. Die jungen Leute sind es gewöhnt, frei zu agieren, die Welt zu bereisen und sich zu umarmen, wann und wo sie immer wollen. Sie wollen nicht an Krankheit und Aerosohle denken, sondern  ihr Leben genießen.

Wie wichtig ist es, zu reisen, die Welt kennen zu lernen, den Menschen und den Kulturen anderer Länder zu begegnen.  

Corona verbietet es. Von einem Studienmester in England, in den USA oder in Israel können sie nur träumen. Neugier und Interesse an andren Ländern, Lust auf andere junge Menschen, das geht gar nicht. Diese Corona-Generation wird die Erfahrung nicht vergessen.

Corona zeigt dir, wie sehr sich die Generationen unterscheiden, wie sehr sich ihre Wünsche und Ziele voneinander entfernen. In Zeiten ohne eine Pandemie akzeptierst du als alter Mensch die heiteren Gewohnheiten der jungen Leute. Aber jetzt neigst du zu Kritik und forderst Rücksicht und Vernunft.

Aber den jungen Leuten ist der Tod nicht so nahe. Sie leben jetzt und wollen genießen. Das ist ihr Glück. Aber dir als alter Mensch ist der Tod nahe, ob durch Corona oder nicht

Stirbt ein vertrauter Mensch in deinem Alter, dann musst du nicht erschrecken, aber der Gedanke streift dich, wie lange es noch geht. Das muss nicht unbedingt mit Angst und Schrecken verbunden sein. Der Realismus des Alters sagt dir aber, dass deine Lebenszeit begrenzt ist.

Jetzt kommt Corona dazu. Nicht, dass du täglich einen nahen Tod befürchtest, aber du musst  dich in acht nehmen. Du darfst so vieles nicht. Du fühlst dich ohnmächtig und fremdbestimmt. Du lebst jetzt ganz anders als vor Corona. Dein Alltag besteht aus Vorsicht, nicht aus freudiger Planung von Besuchen in der Oper, im Theater oder im Kino. Es fehlt dir die Vorfreude auf schöne Termine. Vorfreude ist ein Gefühl, dass alle Menschen brauchen, ob jung oder alt.

Kannst du dich mit Freundinnen treffen? Wo kannst du dich treffen? Draußen ist es kalt. Also suchst du einen Raum, der die abständigen Tische und Stühle regelmäßig desinfiziert? Es heißt ja, dass das Virus auf glatten Flächen zu finden ist.

Dürfen die Enkel mit am Tisch sitzen, wenn ihr esst? Mit wem waren sie zusammen und wen haben sie in letzter Zeit umarmt. Dürfen sie bei dir eine Zuflucht suchen, weil sie sich nicht mit ihren Eltern verstehen? Dein jüngster Sohn darf dich nicht besuchen. Er lebt in einer Gegend, in dem sich ein Hotspot eingenistet hat. Es ist ein Glück, dass du einen Partner hast, den du umarmen kannst. Du umarmst ihn oft, stellvertretend für alle deine Lieben, die du nicht in den Arm nehmen kannst..

Wo versteckt sich dieses widerliche Virus? Lebt es wirklich nur zwischen Umarmungen, zwischen Tänzern und im Mundschutz. Sitzt es nicht in Winkeln, die wir mit Desinfektionsmitteln nicht erreichen. Darfst du die Lieferungen der Märkte anfassen, darfst du auf den Stühlen in Arztpraxen sitzen, die gepolstert und nichtabwaschbar sind. Vielleicht klebt das Virus auf dem Kürbis, den du nach Hause trägst.

Das Virus ist eine Bedrohung. Vielleicht müssen wir für immer mit ihm leben, so wie wir mit dem Grippevirus oder anderen ansteckenden Krankheiten.leben müssen. Wer weiß das schon?

Aber du solltest dich nicht unterkriegen lassen. Du kannst dir die kleinen Freuden selbst schaffen.

Da gibt es ein interessantes Buch. Du freust dich darauf, den Schmöker, der auf deinem Wohnzimmertisch liegt, weiter zu lesen. Du hast lange keine alten Fotos angesehen und wie wäre es heute Nachmittag mit einem Spaziergang? Die Sonne scheint und es ist noch warm  Setze dich mit deinem Partner auf eine Bank im Grünen und freue dich an den bunten Blättern der Bäume. Nimm dir Zeit und bereite ein besonders leckeres Essen vor. Stelle einen guten Wein  auf den Tisch und gieße dir schon einen kleinen Schluck ein. Dieser Schluck ist die reinste Vorfreude auf ein Glas zu einem guten Essen. Freue dich an der Musik, die du jetzt in Ruhe hören kannst.

Es gibt viele kleine Vorfreuden und ihre Erfüllung. Nutze sie. Sie helfen dir,  die Zeit der Einschränkungen durch Corona zu überwinden.

Jung und Alt müssen sich vor Corona schützen. Das ist gleich. Aber die Lebensperspektiven sind unterschiedlich. Die  Alten sollten alle Möglichkeiten des persönlichen Schutzes wahrnehmen, wohl wissend, dass ihre Lebenszeit endlich ist. Diese Perspektive kannst du den jungen Leuten nicht abverlangen. Sie beginnen erst zu leben und es ist ihnen zu wünschen, dass ihr Leben noch lange mit Heiterkeit und Lachen dauert.

 

5.11.20 10:52

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