Kriegsende?

Sie saß auf einem Ast ihres Ruhebaums und war zufrieden. Die Sonne schien so freundlich, als gäbe es nichts Böses auf der Welt. Das leise ferne Ballern aus der Ferne war sie gewöhnt. Die Amerikaner waren in der Nähe. Sie beschossen Dörfer, in denen sie deutsche Soldaten vermuteten.

Aber diesmal galt das das Ballern ihrem Dorf. Ein Zischen und ein lauter Knall weckten sie aus ihren Gedanken. Eine dichte Rauchwolke stieg aus dem Haus gegenüber auf.

„Ich will das nicht“, jammerte sie und rutschte von dem Baum herunter. Aber sie konnte nicht laufen. Es ging nicht. Ihre Füße klebten am Boden. Sie stand neben dem Baum und konnte sich nicht bewegen. Ihre Mutter fand sie so. Sie nahm sie auf den Arm und lief hinter das Haus.

„Peter, Renate, schnell, beeilt euch, bringt Christian mit.“

 Die Familie kroch in ein Erdloch, das notdürftig mit Brettern abgedeckt war. Sein Boden war mit Stroh ausgelegt. Es roch streng, aber das störte niemand. Hier saßen sie mit allen Hausbewohnern, mit Kindern, mit jungen und alten Frauen.

Das leise Ballern aus der Ferne zeigte an, dass die Feinde eine Granate losgeschickt hatten. Dann senkten sie die Köpfe und erwarteten den Einschlag und den möglichen Tod. Als eine Granate das Nachbarhaus zerstörte, wussten sie alle, dass sie knapp davongekommen waren. Fünf Meter weiter und das Erdloch wäre zu ihrem Grab geworden.

Dann war plötzlich Ruhe, eine ungute Ruhe.

„Haben die Amerikaner keine Granaten mehr?“, fragte das Mädchen.

Keiner antwortete. Sie lebten und das war wichtig.

Sie klopften das Stroh von ihren Kleidern. Jetzt nur raus, raus an die frische Luft und zum sonnigen Tageslicht. Aber sie durften das nicht.

Vor der Öffnung der Höhle standen vier braunbehoste Soldatenbeine. Das sah komisch aus. Beine ohne Köpfe.

„Are there any German soldiers?“

Ein Soldat steckte seinen Kopf durch die Öffnung des Erdlochs. So sah also ein Feind aus. Er hatte kein böses Gesicht. Seine lange Nase war an der Spitze feuerrot und seine Augen blickten freundlich. Aber seine Stimme war laut.

„Get out!“

Sie verstand kein Englisch, aber sie wusste, was er wollte.

Vorsichtig krochen die Menschen aus der Dunkelheit. Sie mussten sich in eine Reihe stellen. Einer der Soldaten bewachte sie, der andere stieg in das Erdloch.

Er fand keinen deutschen Soldaten.

Die Amerikaner hinterließen ein zerstörtes Dorf. Häuser waren Ruinen. Rauchende Steinhaufen zeigten, wo das Nachbarhaus gestanden hatte. Und wieder wurden Bahren mit toten Menschen weggetragen.

„Wann hören sie endlich auf zu schießen?“, fragte das Mädchen.

Die Mutter zuckte mit den Achseln.

Dann hörten sie auf zu schießen. War der Krieg zu Ende? Ein Gerücht machte die Runde. Die Menschen bewegten sich vorsichtig und fragten ängstlich: „Ist es vorbei? Ist es wirklich vorbei?“